WA vom 03.01.2017, S. 4, Gemeinsam agieren für mehr Wertschätzung

Thema: Herkunftskennzeichnung für tierische Produkte
Nach jahrelangen entsprechenden Forderungen seitens der Tier- und Verbraucherschützer sowie mehr als 10 Jahre nach Einführung der Eierkennzeichnung, die sich als Erfolgsmodell erwies, tut sich der Gesetzgeber in Form des Landwirtschaftsministeriums immer noch schwer, statt der freiwilligen Kennzeichnung im Rahmen der „Initiative Tierwohl“ (ITW) endlich Nägel mit Köpfen zu machen und klare gesetzliche Festsetzungen einzuführen. Die Folge sind immer mehr Label von Discountern und zwei Tierschutzverbänden. Das ist alles andere als hilfreich, weil es allenfalls dem Handel dient, jedoch auf die Kunden wie „Nebelbomben“ wirkt.
Wir halten es für sinnvoll, dass Verbraucher nicht mit ihren Wünschen hinter den Berg halten, sondern Parteien und Regierungen durch entsprechende Forderungen auf Trapp zu bringen. Ein Mittel in diesem Sinne sind Leserbriefe. Nachstehend finden Sie einige Beispiele.
2019
Eckard Wendt, Winsener Anzeiger und Landeszeitung (Lüneburg), Jan.2019

2018
Eckard Wendt, Süddeutsche Zeitung, Herkunftskennzeichnung,13.03.18
Eckard Wendt, Tagesspiegel (Berlin), Febr. 2018

Zum notorischen Gejammere des Bauernfuktionärs Werner Hilse
Sehr geehrte Damen und Herren!
Bauernfunktionär Hilse meint, die Landwirte sollten für mehr Wertschätzung in der Bevölkerung kämpfen. Werben wäre der angemessenere Ausdruck. Doch wie ist das möglich, solange der Deutsche Bauernverband die Landwirte auf wirtschaftliches Wachsen und damit auf Konkurrenz polt? Auch er weiß doch, dass das Wachsen des einen sehr oft das Weichen eines anderen, also dessen Betriebsaufgabe, zur Folge hat. Wie dabei Solidarität aufkommen kann, sagt er allerdings nicht.
Offenheit und Ehrlichkeit sind Voraussetzung für den Dialog mit den Bürgern. Gut, einige Landwirte praktizieren dies, wie z. B. Familie Benecke in Scharmbeck. Es gibt wenige Ställe, in die Einblick gewährt wird, dies  aber in der Regel nur nach vorheriger Terminabsprache. Wenn überhaupt sind bei Masthühnern allerdings meistens nur Jungtiere zu sehen oder es wird ein verfälschter Eindruck vermittelt, indem der Bestand nach dem „Vorgreifen“ zwecks Schlachtung um den 28. Masttag, also nach Verringerung der Besatzdichte gezeigt, damit der Laie ja nur nicht die gegen Ende der Mastperiode herrschende Enge sieht.
Den einzig richtigen Weg hat meines Wissens erst ein deutscher Geflügelmäster nach dem Vorbild niederländischer Schweinehalter (Aktion „Kom varkens kijken“ / „Komm Schweine ansehen“, www.stapindestal.nl) beschritten. Bei Stefan Teepker in Handrup (Emsland) kann man jederzeit, also rund um die Uhr(!), von einem Besucherraum aus die Lebensbedingungen der Masthühner anschauen (Kurzbericht: http://www.agrarheute.com/dlz/news/oeffentlichkeitsarbeit-blick-haehnchenmast; ausführlich im „dlz magazin“, Nr. 11 / 2016, S. 32 – 34; www.facebook.com/kiekinbox).
Herr Hilse behauptet auch dieses Mal: „Nie zuvor waren unsere Viehställe so tierfreundlich …“. Damit verschweigt er die Probleme, die längst auch unter Tierhaltern diskutiert werden. Nennen will ich hier die Klauen- und Fundament- (Skelett)probleme in den modernen einstreulosen Ställen, in denen die von Natur aus für weiche Böden eingerichteten Rinder und Schweine auf harten Betonböden zu leben gezwungen werden. Ihm sei deshalb dringend empfohlen, diesbezüglich die Fachliteratur zu studieren, z.B. „Krankheitsursache Haltung“ von Prof. Thomas Richter u.a. (2005), „Klauengesundheit bei Zuchtsauen“ von Prof. Martin Ziron (Verlag der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, DLG), „Klauengesundheit beim Rind“ von Dr. Andrea Fiedler u.a. („aid infodienst“ Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz e.V., der vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft finanziert und am 3.11.16 aufgelöst und z. T. der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung angegliedert wurde).
Eckard Wendt